Glocken St. Ulrich

Die Glocken der St. Ulrichkirche

Die älteste Glocke stammt je nach Lesart aus dem Jahr 1450 oder sogar 1400. Ihre Inschrift am oberen Rand lautet: „ANNO + DOMMINI + MCCCC + L + SANCTA (Kreuzzeichen!) + MARIA + JOHANNES + VOLRICUS + O + REX + GLORIE“. Auf Deutsch: „Im Jahr + des Herrn + 1400/1450 + Heilige (Kreuzzeichen) + Maria + Johannes + Ulrich + o + König + der Ehre.“

Wenn das „L“ trotz Abstandszeichen noch zu der Jahreszahl 1400 gehört, stimmt die Deutung Karl Salzmanns (ehemaliger Bürgermeister von Pfuhl) auf das Jahr 1450. Wenn es ein eigenes Zeichen ist, stammt die Glocke aus dem Jahr 1400.
Dass sie mit der Kirche inhaltlich zusammengehört, belegen die genannten Heiligen: Maria und Johannes der Täufer waren als Fürbitter im unteren Register des Weltgerichtsbildes zu sehen, der Heilige Ulrich in der Fensterlaibung des Ostfensters.
Als Ton hat die Glocke ein eingestrichenes B.

Die beiden anderen Glocken wurden 1954 durch die Glockengießerei Bachert in Karlsruhe gegossen.
Die mittlere trägt die Inschrift „EHRE SEI GOTT IN DER HÖHE UND FRIEDE AUF ERDEN” in einem Kranz aus fünf Kreuzen, zeigt als Emblem ein Kreuz und auf der Rückseite das Wappen von Pfuhl zwischen der Jahreszahl 1954. Darüber ist das Zeichen der Glockengießerei zu sehen und darunter die Inschrift „Pfarrgemeinde Pfuhl”.
Als Ton hat sie das eingestrichene As.

Auf der größten Glocke steht „EIN FESTE BURG IST UNSER GOTT” in einem Kranz aus sieben Kreuzen. Auf der Sichtseite ist die Lutherrose erkennbar, auf der Rückseite die gleiche Signatur wie bei der mittleren Glocke.
Ihr Ton ist das eingestrichene F.

Die Einbringung dieser neuen Glocken war nötig, weil die beiden älteren größeren Glocken 1943 für Rüstungszwecke abgeliefert werden mussten.

Aufzug der neuen Glocken in den Turm im März 1954

Eine dieser Glocken stammt von 1750, ist von Gottlieb Korn und Christoph Frauenlob in Ulm gegossen und trägt die lnschriften: ,,M. Johann David Strohmayer, Pfarrherr „Johannes lhle, Peter Österle, Johannes Tirer, Jakob Ihle der Äldere Gemeints-Fihrer [das sind die Vierer, die die Gemeinde seit Ulmer Zeiten repräsentierten] ——H. Philipp Heinrich Geiger, Amtmann.“

Sie kehrte nach dem Krieg zurück, passte im Klang jedoch nicht zur alten Glocke. Als 1954 das neue Geläut angeschafft wurde, erwarb sie die Gemeinde Pfuhl und ließ sie auf dem Alten Friedhof aufstellen.

Die andere Glocke blieb nach dem Zweiten Weltkrieg verschollen. Wann und durch wen sie ursprünglich gegossen wurde, ist unbekannt. Vorhanden sind Notizen über ihre Reparatur 1859 durch Schlossermeister Johann Götz in Ulm, die allerdings nicht den erwünschten Erfolg hatte. 1862 kam die Glocke deshalb zu Glockengießer Riedle nach Ulm und wurde mit ihren 642 Pfund eingeschmolzen. Die aus der Schmelze neu hergestellte Glocke wog noch 577 Pfund.

Sie hatte die folgende Inschrift:
„Gegossen von Lorenz Riedle in Ulm anne 1862. Gemeindeverwaltung: Pfarrer Kern, Vorstand Loop, Gemeindepfleger Stollmeier, Stiftungspfleger Binder, C. Hauf J.Butz G. Bitterolf
RUFE DIE LEBENDEN, BEKLAGE DIE TOTEN, SCHREIE IN DER NOT, VERKÜNDIGE DIE ZEIT, MAHN DIE EWIGKEIT.“


Quelle: YouTube Kaiserglocke