Predigtgedanken – Lätare – 22.03.2020

Kirchgarten St. Jakob, Burlafingen:
Noch trocken und wüst, doch es wird grünen und blühen!

Man ahnt es schon.

Wochenspruch für die neue Woche:
„Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt
und erstirbt, bleibt es allein; wenn es aber erstirbt,
bringt es viel Frucht.“


Johannes 12,24

Liebe Gemeinde,

was für eine Woche liegt da hinter uns! Als wir uns letzten Sonntag nach dem Gottesdienst bangen Blickes verabschiedeten, ahnten wir, dass es anders werden würde als gedacht – doch so anders? Noch vor zwei Wochen hatte ich zu unserer Gemeindeversammlung für den 22. März eingeladen. Wir wollten Sie umfassend informieren über Bauvorhaben und Veränderungen. Die Aufgaben für die Versammlung waren im Kirchenvorstand verteilt, der Eintopf für das gemeinsame Essen bestellt. Nicht nur diese Veranstaltung, alles ist im Moment abgesagt, sicher bis zum 19. April 2020. Noch unfassbar für mich ist, dass wir nicht am Osterfeuer stehen werden … Es wird ganz anders sein, aber Ostern wird sicherlich nicht ausfallen!

Genauso wenig fällt der Sonntag Lätare aus, das Klein-Ostern, das vorgezogene Osterfest, bei dem die österliche Freude und der Jubel darüber, dass der Tod besiegt wird, schon leise anklingt. Der Sonntag Lätare liegt mittendrin in der Fastenzeit. Er markiert gewissermaßen die Hälfte des Weges. Das ist, als wenn in der Mitte der dunkelsten Nacht sich schon das Licht wieder erahnen lässt. Oder wenn in einer schlimmen Krankheit die Krise überwunden wird und die Erholung beginnt.

Das Predigtwort für den diesjährigen Lätare-Sonntag steht beim Propheten Jesaja. Es sind gewaltige Worte und ergreifende Bilder, die der Prophet verwendet. In einer sehr schwierigen Lage will er dem verängstigten Volk Trost spenden:

10 Freuet euch mit Jerusalem und seid fröhlich über die Stadt, alle, die ihr sie lieb habt! Freuet euch mit ihr, alle, die ihr über sie traurig gewesen seid.
11 Denn nun dürft ihr saugen und euch satt trinken an den Brüsten ihres Trostes; denn nun dürft ihr reichlich trinken und euch erfreuen an ihrer vollen Mutterbrust.
12 Denn so spricht der HERR: Siehe, ich breite aus bei ihr den Frieden wie einen Strom und den Reichtum der Völker wie einen überströmenden Bach. Da werdet ihr saugen, auf dem Arm wird man euch tragen und auf den Knien euch liebkosen.
13 Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet; ja, ihr sollt an Jerusalem getröstet werden.
14 Ihr werdet’s sehen und euer Herz wird sich freuen, und euer Gebein soll grünen wie Gras. Dann wird man erkennen die Hand des HERRN an seinen Knechten und den Zorn an seinen Feinden.


Jesaja 66,10
Altarkreuz St. Jakob Burlafingen

Allen Menschen ist gemeinsam: Jeder und jede hat eine Mutter, wurde von einer Frau geboren. Jeder und jede weiß, was Stillen ist, aus eigener Erfahrung oder aus Beobachtung und Erzählen. Beim Propheten wird die Stadt Jerusalem zur Mutter, die die eigenen Kinder nährt. Nach Zeiten der Not und Entbehrung folgen nun Fülle und Überfluss. Wie ein Säugling, der nach Leibeskräften um Nahrung und um Geborgenheit schreit und sich an der Mutterbrust beruhigen lässt, so auch das ganze Volk, dass nach Verfolgung und Schicksalsschlägen, nun endlich wieder zur Ruhe kommt und Trost findet. „… auf den Armen wird man euch tragen und auf den Knien liebkosen…“ Es wird wieder gut! Das Elend wird ein Ende haben. Ihr werdet getröstet! Aus dürrem, trocknem Land wird es grünen und sprießen! Also, freut euch!

Jesaja meint nicht nur die Stadt Jerusalem, er spricht von Gott selbst: Gott, der handelt wie eine Mutter. Manche haben es vielleicht noch in Erinnerung, der Vers 13 war die Jahreslosung im Jahr 2016. Neben dem dominanten Gottesbild, das männlich geprägt ist, entfaltet der Prophet die mütterlichen Eigenschaften Gottes. Statt Gottvater um Trost zu bitten, verlässt er sich auf Gott als Mutter. Der jüdische Gelehrte Ibn Esra schrieb schon im 12. Jahr­hundert dazu: „Die Tröstung erfolgt durch die Mutter, weil diese ein Kind besser trösten kann als ein Vater.“ Dies begründet er mit der Geburt, die der Mutter viel Schmerzen bereitet, aber auch große Erfüllung gebracht hat: Ebenso die Schmerzen der Trauer um Jerusalem und die Erfüllung durch den Wiederaufbau.

Immer wieder passiert es mir, dass Kinder mich darauf ansprechen, da sei doch eine Frau in der Mitte des Altarkreuzes in St. Jakob. Am Anfang hat mich das irritiert, jetzt freue ich mich darüber und erkläre Kindern, dass Gott weder Mann noch Frau ist, sondern keines davon und doch irgendwie auch beides. In Momenten größter Not, ist es gut, dass Gott auch eine Mutter ist, die nährt und tröstet und liebkost. Darauf vertraue ich auch jetzt.
Amen.


Predigtlied:
Evangelisches Gesangbuch Nr. 398 „In dir ist Freude in allem Leide“


Lasst uns miteinander beten:
Barmherziger Gott, wir sind in Sorge und Not wegen der Corona-Krise.
Wir bitten dich um deinen Beistand und deine Nähe in Krankheit, in Einsamkeit und in Not.
Sei du uns wie eine tröstende Mutter. Amen

Vaterunser


So segne und behüte uns der liebende und gnädige Gott!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann


Wir läuten die Glocken unserer beiden Kirchen St. Ulrich, Pfuhl, und St. Jakob, Burlafingen, zu Beginn des Fernsehgottesdienstes am Sonntag um 9:30 Uhr und laden Sie ein, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Außerdem werden die Glocken Sie immer wieder auch in den Abendstunden zu Gebet und zur Stille aufrufen. An welchen Tagen und zu welcher Stunde das sein wird, werden wir auf unserer Homepage veröffentlichen … oder Sie lauschen einfach auf das Geläut!

Viele jüngere Freiwillige haben sich gemeldet, für Senioren einzukaufen, damit sie nicht mehr das Haus verlassen müssen.
Bitte melden Sie gerne Ihren Bedarf in Pfuhl im Pfarramt, Tel.: 719292 oder in Burlafingen, Tel.: 710682.