Predigtgedanken zu Exaudi – 24.05.2020

Jeremia 31, 31-34

Wochenspruch:
Christus spricht: „Wenn ich erhöht werde von der Erde, so will ich alle zu mir ziehen.“

Johannes 12, 32
St. Ulrichskirche unterm Regenbogen,
gemalt von den Kindern des Griesmayer-Kindergartens

Mit veränderten Menschen bewältigt Gott gewaltige Krisen

Liebe Gemeinde!

Es war in den Tagen, als der König von Babylon Jerusalem eroberte. Das waren die Tage des Propheten Jeremia. Der hatte das Unglück kommen sehen: die Babylonier würden die Stadt in Schutt und Asche legen. Zur Strafe: weil ihr Gott und seine Gebote vergessen habt!
Aber Jeremia hatte noch eine Botschaft:

„Siehe, es kommt die Zeit, spricht der Herr, da will ich mit dem Hause Israel und mit dem Hause Juda einen neuen Bund schließen, nicht wie der Bund gewesen ist, den ich mit ihren Vätern schloss, als ich sie bei der Hand nahm, um sie aus Ägypten zu führen, ein Bund, den sie nicht gehalten haben, ob ich gleich ihr Herr war, spricht der Herr; sondern das soll der Bund sein, den ich mit dem Hause Israel schließen will nach dieser Zeit, spricht der Herr: Ich will mein Gesetz in ihr Herz geben und in ihren Sinn schreiben, und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. Und es wird keiner den andern noch ein Bruder den andern lehren und sagen: »Erkenne den Herrn«, sondern sie sollen mich alle erkennen, beide, klein und groß, spricht der Herr; denn ich will ihnen ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ (Jeremina 31, 31-34)

Gott schafft es, gewaltige Krisen zu bewältigen. Die Bibel beschreibt diese Weiterentwicklung von Gottes Welt jeweils im Zusammenhang mit einem „Bundesschluss“. Das erlebte Noah, als ihm Gott nach der großen Sintflut eine großartige Zusage gab, auf der er aufbauen konnte – der Regenbogen wurde zum Symbol der Gnade.

Das war am Berg Sinai so, als das kleine Volk Israel zum besonderen Träger der Heilsgeschichte berufen wurde und die Zehn Gebote entstanden.

Das war zur Zeit des Propheten Jeremia so, als ihm eine göttliche Eingebung die Gewissheit vermittelte, wieder einen neuen Bund Gottes ankündigen zu dürfen. Denn Eigensinn, Starrheit und Untreue der Menschen sollten die Welt nicht ins Verderben führen: Gott nimmt sich auch weiterhin seiner Menschen an. Das Besondere dabei ist, dass er bei seinem großen Reformwerk nicht von außen ansetzt, sondern seine Erneuerung von innen beginnt.

Dabei fällt der Blick auf drei Schicksalsfragen der Völker und einzelner Menschen:

Die Bibel beantwortet die Machtfrage. Indem Gott seinen Willen in die Herzen und Sinne der Menschen schreibt und ihr Gewissen wie einen Kompass darauf einstellt, eröffnet er ihnen die befreiende Möglichkeit, den ständigen, kräftezehrenden Zickzackkurs zu beenden, der sie heute dieser, morgen aber jener Stimme nachlaufen lässt, als ob es mehrere letzte Instanzen gäbe, unter die wir unser Leben aufteilen könnten, um möglichst von jeder Seite neue Kraft zu bekommen. Aus dieser ungeklärten Herrschaftsfrage erwachsen die Kriege, aber auch Streit und Unversöhnlichkeit im Kleinen. Allein die biblische Zusage „Ich will ihr Gott sein“ schafft Klarheit und beruhigt die Nerven derer, die sich immer wieder auf seine Stimme einlassen.

Dann wird auch die Schuldfrage lösbar. Bleibt sie unbearbeitet, lähmt sie das Leben und weckt Emotionen, die Unruhe stiften, Vergeltung provozieren und in die Verzweiflung führen können. Was kein staatlicher Gnadenakt, aber auch keine psychotherapeutische Behandlung letztlich bewirken können, kündigt Gott an: „Ich will ihre Missetat vergeben und ihrer Sünde nimmermehr gedenken.“ Der Neue Bund Gottes beginnt mit einer Generalamnestie, bei der sogar die Schuldakten vernichtet werden. Gott macht reinen Tisch, damit Neues beginnen kann.

Damit verliert dann auch die Sinnfrage ihren dunklen Schleier. Nur wer nicht weiß, wohin er gehört und wem er sich letztlich verdankt und daher auch zu verantworten hat, gerät aus einer Illusion in die andere, aus Utopien in Ängste, aus selbstgemachter Fröhlichkeit in schlimme Depressionen. Denn der nur noch „außengelenkte Mensch“ hat keinen inneren Halt und ähnelt dem vom Baum gelösten Blatt, das vom Wind hin und her gewirbelt wird, kraftlos und ohne Orientierung. Dass ich geliebt bin, kann ich mir nicht selber sagen, wenn es mir nicht ein anderer vorher zugesprochen hat. Dies ist aber durch Christus geschehen. Ihm können wir vertrauen. Nach diesem Grundgesetz des Neuen Bundes lohnt es sich zu leben.

Dass du mich auf deine Zukunft mit uns hoffen lässt, dass du mich lieben lässt, die, mit denen ich lebe, die, die leiden. Dass du mich warten lehrst. Auf die Erfüllung deiner Verheißung.
Siehe, es kommt die Zeit. Mit deiner Hilfe warte ich darauf geduldig. Und bis dahin bete ich mit vielen anderen, die zu dir und deinem Volk gehören:

„HERR, höre meine Stimme, wenn ich rufe; sei mir gnädig und antworte mir!“ Amen.


Predigtlied:  Evang. Gesangbuch:  EG 136  O komm, du Geist der Wahrheit


Fürbittgebet
Heiliger Geist,
Geist einer neuen Welt — komm! Leg uns Worte in den Mund, die trösten, klären, heilen.
Komm! Lass uns sagen, was gut tut.
Komm! Lass uns hören, was uns trägt.
Komm! Sei mit deiner Kirche, mit dieser Gemeinde, mit uns, damit hier Jesu Willen bekannt und getan wird;
damit hier Verängstigte froh, Mutlose gestärkt, Trauernde getröstet und Fröhliche ermuntert werden.
Komm, damit hier geschehe, was die Rede von Jesus glaubwürdig, und die, die sie hören, neu macht!
Komm! Sei du der Geist, der uns prägt.
Belebe uns, dass wir etwas werden zum Lob unseres Gottes.
Amen.

Gott behüte Sie und schenke Ihnen allen eine gesegnete Zeit
Ihr Pfarrer Robert Pitschak



Der Beitrag verfällt am 7th June , 2020