Predigtgedanken zu Matthäus 11,28-30

Wochenspruch:

Christus spricht:
Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

Matthäus 11,28

Die große Einladung

Liebe Gemeinde!

„Gott selber lädt uns ein“, so heißt es im Lied für diese Woche. Es klingt vertraut, aber wir sind seltsam berührt, weil zurzeit ja nur relativ wenige Leute in die Kirche kommen können und da auf Hygiene- und Abstandsregeln achten müssen. Aber seit sechs Wochen finden immerhin wieder Gottesdienste in der St. Ulrichs-Kirche statt. Bis zu 40 Leute können dort miteinander Gottesdienst feiern. Doch die Einladung ist ja viel umfassender und nicht nur auf den Kirchenraum und den Sonntagsgottesdienst beschränkt. Gott lädt uns ein, zu ihm zu kommen. Ganz deutlich macht das der Predigttext für diesen Sonntag:

silver goblet

Mt 11,28-30 Jesus sprach: Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich will euch aufatmen lassen. Nehmt das Joch auf euch, das ich euch gebe und lernt von mir: ich meine es gut mit euch und sehe auf niemanden herab; so werdet ihr Ruhe finden für euch selbst. Denn mein Joch drückt nicht und meine Last ist leicht.

„Kommt zu mir“, so lädt Jesus ein; er lädt alle ein. Man könnte meinen, die Zuhörer damals und wir Christen heute müssten nicht extra zu ihm kommen; wir befinden uns gewissermaßen in seinem Umkreis. Doch er ruft uns ganz nahe zu sich, – ohne irgendeinen Abstand – dass wir ihn wirklich spüren, vielleicht in der Stille, im Gebet. Wir können seine Nähe erfahren, aufatmen, ablegen, was uns drückt und beschwert; unsere Zweifel und klugen Überlegungen hinter uns lassen und uns kindlich ihm anvertrauen; vor ihm ausbreiten, was uns belastet und quält. Manche Lasten nehmen wir erst dann wirklich wahr; zuvor haben wir uns nicht eingestanden, welchem Druck wir ausgesetzt sind. Auch was uns ganz offensichtlich zu schaffen macht, wie berufliche und finanzielle Sorgen etwa wegen der Corona-Vorschriften oder Krankheiten und gesundheitliche Einschränkungen, das können wir alles vor Jesus hinlegen, auch unser Bedürfnis nach Nähe und leibhafter Berührung angesichts der Schutzmaßnahmen durch Abstand.

Jesus will uns ausruhen lassen, aufatmen. Er sagt nicht: „Ich nehme euch das alles ab, von jetzt an habt ihr keine Schmerzen oder Probleme mehr“. Sondern er bietet sein Joch an, ein ganz anderes als das gewohnte. – Ein Joch liegt auf den Schultern, daher ist es oft ein Instrument der Unterdrückung. – Ein Joch verteilt die Last auf beide Schultern: so ist es eine Hilfe zum Tragen wie bei einem ostasiatischen Wasserträger. Das Joch Jesu ist sanft, es drückt nicht. Jesus fordert uns auf, von ihm zu lernen: Er geht auf die Menschen freundlich zu, sieht sie an und hört, was sie zu sagen haben, ob das nun der blinde Bettler ist oder der Zöllner Zachäus. Er meint es gut mit uns und sieht auf niemand herab. Oder wie es in der Lutherübersetzung heißt: Er ist sanftmütig und von Herzen demütig. Von Jesus lernen: Sanftmut verlangt einigen Mut. Demut bedeutet nicht Unterwürfigkeit, vielmehr ist sie ein Zeichen von Dankbarkeit. Ich nehme all die kleinen und großen Dinge wahr, die mich erfreuen und die letztlich nicht in meiner Macht stehen; das macht mich dankbar. Wenn wir so auf Jesus ausgerichtet sind, werden die Lasten erträglicher, weil sie unser Leben nicht mehr total bestimmen. Vielleicht verschwindet auch die eine oder andere Belastung, wenn wir Ruhe finden bei Jesus. Gott schenke uns solches Aufatmen bei Jesus.

Amen.

Lied: Kommt, atmet auf, ihr sollt leben. Liederheft 062
Kommt, atmet, auf, ihr sollt leben. Ihr müsst nicht mehr verzweifeln, nicht länger mutlos sein. Gott hat uns seinen Sohn gegeben, mit ihm kehrt neues Leben bei uns ein.

Fürbitten:
Barmherziger Gott, durch Jesus rufst du alle zu dir. Danke für die Einladung. Schenke uns allen das Aufatmen bei dir. Du kennst unsere Lasten. Lass sie uns ablegen. Du siehst die unterschiedlichen Menschen auf dieser Welt und all die Not, die sie bedrückt. Steh ihnen bei und lass sie Ruhe und Trost finden bei dir. Amen

Und der dreieinige Gott sei mit uns und segne uns. Amen

Ihre Dorothee Rabenstein-Wagner, Prädikantin