Predigtgedanken zu Matthäus 28, 16-20

6. Sonntag nach Trinitatis, 19. Juli 2020

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige zweifelten. Und Jesus trat herzu und sprach zu ihnen: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes, und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28, 16-20


Liebe Gemeinde!

„Ich bin getauft auf deinen Namen, Gott Vater, Sohn und Heil’ger Geist,
ich bin gezählt zu deinem Samen, zum Volk das dir geheiligt heißt;
ich bin in Christus eingesenkt, ich bin mit seinem Geist beschenkt.“  EG 200

Dieses Lied singen wir öfters im Gottesdienst, wenn Kinder getauft werden. Und spätestens im Grundschulalter wollen Kinder dann von ihren Eltern wissen: Wie war das damals, als ich getauft wurde? Erinnert ihr euch noch daran?“

Dann erzählen wir in etwa: „Als du geboren wurdest, haben wir uns sehr gefreut, deine Mutter, deine Geschwister und ich. Vor allem deine Geschwister konnten den Tag deiner Taufe kaum erwarten. Als es soweit war, gingen wir in die Kirche. Du hattest das Taufkleid an, das deine Geschwister bei ihrer Taufe auch getragen hatten. Die Gemeinde sang. Dann las der Pfarrer den Taufbefehl, den Jesus seinen Jüngern gegeben hat. „Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ Der Pfarrer nannte deinen Namen, den wir für dich ausgesucht hatten. Als Zeichen der Taufe goss er dreimal Wasser über dein Köpfchen. Er sprach den Taufspruch und betete mit uns. Dabei sagte er etwa folgendes: „Herr, unser Gott, du hast diesen Jungen jetzt in deine Gemeinde aufgenommen. Dafür danken wir dir. Du hast versprochen, dass er immer zu dir kommen darf. Denn er gehört zu dir, und du gehörst zu ihm. Das ist ein Trost für uns alle. Du wirst dich um ihn kümmern, auch wenn wir es nicht mehr können. Denn dir wird nichts zu viel.“ Für deine Mutter und für mich ist es eine große Beruhigung zu wissen: Gott kümmert sich um dich. Das hat er in der Taufe versprochen. Denn Eltern können ihre Kinder nicht immer und überall begleiten. Das kann nur Gott. Für ein Kind ist es wichtig, davon zu erfahren. Deswegen ist es gut, dass du nach deiner Taufe gefragt hast.“

Taufstein St. Ulrich, Pfuhl

Bei der Taufe sind die meisten Kinder noch sehr klein. Sie können nicht verstehen, was mit ihnen geschieht. Das muss ihnen später erzählt werden. Eltern und Paten versprechen bei der Taufe, dafür zu sorgen, dass ihr Kind Gott kennenlernt. Die Gemeinde tut das auch. Jesus hat es so gewollt. In dem Auftrag an seine Jünger, alle Völker zu taufen, sagt er weiter: „Lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe.“ Deswegen gibt es zum Beispiel den Kindergottesdienst oder Konfi-3-Kurs. Hier können Kinder in der Gemeinde zu Hause sein und am Gemeindeleben teilnehmen. Für ältere Kinder gibt es den Konfi-8-Unterricht. Die Jugendlichen gehen einmal im Monat samstags dorthin und übernehmen Aufgaben in Praktika. Hier lernen sie, was Christen glauben und wie Christen leben. Sie hören das Versprechen Jesu: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Das bedeutet zweierlei, erstens: An den entferntesten Orten der Welt, auch an ihren letzten Enden, ist Jesus da, und zweitens: Am Ende aller Tage, auch am Ende unseres Lebens, ist Jesus bei uns. Darauf dürfen wir uns verlassen, weil wir getauft sind.

Der Reformator Martin Luther sagt in einer Predigt über die Taufe: „Meine Taufe bleibt, gleichwie die Sonne allzeit bleibt. Falle ich in den Dreck, dass die Augen nicht sehen können, so bleibt doch die Sonne, und wenn ich die Augen wasche, sehe ich sie wieder. Wenn ich in einen Keller gehe, bleibt dennoch die Sonne. Ich bin nur davongegangen; gehe ich wieder heraus, so finde ich sie wieder.“ An einer anderen Stelle sagt er etwa folgendes: „Es hilft mir, wenn ich mich an meine Taufe erinnere. An ihr habe ich etwas, was ich den Sünden entgegenhalten kann, die mein Gewissen beunruhigen. Ich habe auch etwas, mit dem ich dem Schauer des Todes und des Gerichts begegnen kann, was in allen Anfechtungen mein Trost ist. Gott ist wahrhaftig in seinen Verheißungen. Sein Zeichen habe ich in der Taufe empfangen. Wenn Gott für mich ist, wer mag wider mich sein?“

Wenn es mir schlechtgeht, wenn ich Sorgen habe und nicht weiterweiß, will ich es machen wie Martin Luther. Ich will mich daran festhalten, dass ich getauft bin. Die Taufe kann mir keiner nehmen. Vielleicht meint das auch der Volksmund, wenn er davon spricht, dass es „Matthäi am letzten“ ist. Mein Opa sagte früher ab und zu: „Es ist Matthäi am letzten. Wir mussten dann einige Tage hungern. Wir bekamen wenig zu essen, bis neues Geld da war.“

In der Grundschule erzählte ich gern die Geschichte von Beppo, einem kleinen Jungen aus Süditalien. Ich habe sie in einem Vorlesebuch gefunden. Für Beppo war es „Matthäi am letzten“. Sein Vater hatte das jedenfalls gesagt. Deswegen war Beppo nicht zur Schule gegangen. Er hatte sich stattdessen einen roten Luftballon gekauft, der mit Gas gefüllt war. Sein letztes Taschengeld hatte er dafür ausgegeben. An den Luftballon hatte er einen Zettel gebunden. Darauf stand: „Lieber Gott, in ein paar Wochen bekomme ich einen kleinen Bruder. Wir sind sechs Kinder, und meine Eltern haben wenig Geld. Hilf, dass wir dem kleinen Bruder einen Strohsack mit Bettzeug zurechtmachen können. Es darf auch etwas Gebrauchtes sein. Ich wohne in Arcole in Italien. Dein Beppo Sala.“

Jeden Tag wartete Beppo darauf, dass etwas geschehen würde. Nach einer Woche kam ein Postbote. Der brachte Beppos Vater ein Paket. Der wollte es nicht annehmen, weil ihm keiner etwas schicken würde. „Mach das Paket doch wenigstens auf“, bat Beppo. Alle staunten. Das Paket enthielt Windeln, Bettzeug, winzige Kinderwäsche. „Ich hab‘ es ja gewusst“, dachte Beppo. Dann lief er nach draußen, um Gott zu danken. Er nahm eine Bibel und sah nach, was Matthäi am letzten steht. Er las: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“

Wenn wir „Matthäi am letzten«“ sind, ist Jesus ganz nah bei uns. Das hat er uns in der Taufe versprochen.   Amen.


Predigtlied:  Evangelisches Gesangbuch  EG 262  Sonne der Gerechtigkeit
oder Ergänzungsband zum EG 010 Ich sage Ja zu dem, der mich erschuf


Fürbittgebet
Vater, was du willst, wurde uns verkündet.
Du hast uns berufen, Zeugen deiner Nähe heute in dieser Welt zu sein.
Sei mit uns damit zum Glauben komme, wer uns hört und sieht.
Hilf uns, ein Licht zu sein für die Menschen, die dich suchen.
Bewahre sie vor unserem Stolz.
Wir beten für die Glücklichen und Starken,
für die Ängstlichen und für alle, die keinen Rat mehr wissen;
wir beten für die, die meinen, nur der Tod sei ihnen gewiss.
Durchdringe unser Reden, durchdringe unser Tun,
dass das Böse und die Furcht vor ihm klein werde,
und die Freude wachse über die Zeichen deiner Treue.
Denn du, Vater, lässt nicht von uns. Das bekennen wir.

Es behüte sie und schenke Ihnen allen eine gute Zeit, Gott Vater und der Sohn und der Heilige Geist.
Ihr Pfarrer Robert Pitschak


Der Beitrag verfällt am 1st August , 2020