Predigtgedanken zum Brief an die Hebräer 13,1-3

Wochenspruch:

„So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“

Epheser 2,19

Liebe Gemeinde!

nach den Überlegungen zur Taufe und ihrer Bedeutung für unser Leben am vergangenen Sonntag steht heute nun an diesem Sonntag das zweite Sakrament der evangelischen Kirche ganz im Mittelpunkt: das Abendmahl. In Brot und Wein erleben wir die Gegenwart Christi und die Gemeinschaft als Gläubige untereinander. In Christus sind wir eine Familie, Glieder eines Leibes. Wir trinken aus einem Kelch.

Das ist unsere Tradition in der evangelischen Kirche. Gerade der Gemeinschaftskelch zeigt die Verbun­denheit untereinander. Die Reformatoren und allen voran Martin Luther haben dafür gekämpft, dass nicht mehr nur der Priester, sondern, dass alle Gläubigen das Abendmahl mit Brot und mit Wein feiern können. Und nun das – seit dem Beginn der Corona-Pandemie hat die Gemeinde gar kein Abendmahl mehr feiert! Das heilige Zeichen der Gegenwart unseres Herrn musste der Rücksicht aufeinander weichen, damit das Virus nicht verteilt wird. Haben Sie das Abendmahl in diesen Monaten vermisst? Überwiegt die Angst vor Ansteckung oder die Sehnsucht nach der Mahlgemeinschaft?

Seit Beginn der Pandemie hatte ein Schlagwort die Runde gemacht: „social distancing“. Das bedeutet die Aufforderung, Abstand untereinander zu halten und eben kein Händeschütteln, keine körperliche Nähe zu anderen Personen zuzulassen. Am besten ging man seinen Mitmenschen aus dem Weg, unterhielt sich allenfalls im Freien über den Gartenzaun mit den Nachbarn. All das, was doch unter normalen Umständen erwünscht und schön ist, ging nicht mehr: Freunde einladen, miteinander feiern und essen, Trauernde trösten, indem man sie umarmt.

Dass das „social distancing“ nicht zur neuen Normalität werden soll, sondern der Wunsch nach Nähe und die Sehnsucht nach Zwischenmenschlichkeit wach bleiben, daran erinnern uns die Bibelverse des heutigen Sonntags. Denn trotz Abstand und Respekt vor dem Virus:

1 Bleibt fest in der brüderlichen Liebe. 2 Gastfrei zu sein vergesst nicht; denn dadurch haben einige ohne ihr Wissen Engel beherbergt. 3 Denkt an die Gefangenen, als wärt ihr Mitgefangene, und an die Misshandelten, weil auch ihr noch im Leibe lebt.

Diese Worte sind ein Wachruf, nicht zu vergessen, was Normalität zwischen uns Menschen und insbesondere zwischen Christen sein soll: die brüderliche bzw. geschwisterliche Liebe. Und dazu gehört eben auch Nähe und Gastfreundschaft und das gemeinsame Essen. Wie schön, wenn dies wieder langsam möglich ist. Hoffentlich bleibt das so und die Entwicklungen gehen einen positiven Gang.

Für die Konfirmandinnen und Konfirmanden dieses Sommers gab es besondere Abendmahlsfeiern in den Beichtgottesdiensten an den Freitagen vor der Konfirmation: als Wandelkommunion, nur mit Brot oder mit Brot und Einzelkelchen, ohne Berührung der anderen und ohne sich die Hände zu geben. Es war ungewohnt, aber es war ein Anfang. Die Stimmung war ruhig und feierlich. Und obwohl so vieles neu und ungewöhnlich war, wurden wir daran erinnert, dass wir als Gottes Hausgenossen eingeladen sind an den Tisch des Herrn. Hoffentlich treffen wir uns da bald alle wieder! Amen

Lied: Evang. Gesangbuch Nr. 221 „Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen“

1) Das sollt ihr, Jesu Jünger, nie vergessen: / wir sind, die wir von einem Brote essen, / aus einem Kelche trinken, Jesu Glieder, Schwestern und Brüder.

2) Wenn wir in Frieden beieinander wohnten, / Gebeugte stärkten und die Schwachen schonten, / dann würden wir den letzten heilgen Willen des Herrn erfüllen.

3) Ach dazu müsse seine Lieb uns dringen! / Du wollest, Herr, dies große Werk vollbringen, / dass unter einem Hirten eine Herde aus allen werde.

Fürbittengebet:

Du Gott des Lebens, wir bitten dich für unseren langjährigen Pfarrer Robert Pitschak und für seine Frau Myrtha. Schenke ihnen einen schönen Ruhestand mit vielen Jahren in guter Gesundheit und Kraft.

Wir bitten dich für unsere Gemeinde. Lass uns aushalten, dass Lücken bleiben, die nicht sofort geschlossen werden können. Fördere den Zusammenhalt und das Miteinander. Lass die Sehnsucht in uns wachsen nach der Gemeinschaft an deinem Tisch und nach deiner Gegenwart im Heiligen Abendmahl.

Du Gott des Lebens, wir bitten dich für Menschen in Not hier bei uns und überall auf der Welt. Lass uns diese Not wahrnehmen und erkennen und Wege finden, sie zu lindern. Wir bitten dich, trotz aller Ängste und Befürchtungen. Schenke uns eine gesegnete Sommerzeit. Amen.

Vaterunser

Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann

Liebe Gemeinde,

seit dem 22. März schreiben wir für Sie Predigtgedanken. Wir durften Sie damit in dieser besonderen und schwierigen Zeit begleiten. Viele dankbare und ermutigende Reaktionen erreichten uns. Herzlichen Dank dafür. Eine kleine Schar fleißiger Verteiler und Verteilerinnen ist jeden Samstag auf unserem Gemeindegebiet gelaufen, um Ihnen diese Worte zum Sonntag zu bringen. Mit dieser Ausgabe beenden wir vorerst die Serie der Predigtgedanken. Nun kommt mit dem Sommer die Ferienzeit für einige Verteiler und auch für uns Prediger.

Es wird jeden Sonntag ein Gottesdienst um 10:15 Uhr in unserer Gemeinde gefeiert. Er unterliegt den Abstandsgeboten und Hygieneauflagen. Außerdem laden wir nach wie vor ein, die Fernsehgottes­dienste mitzufeiern und die Angebote der Medien zu nutzen.

Bleiben Sie behütet und gesund und kommen Sie gut durch diesen Sommer! Bis zum Wiedersehen!