Predigtgedanken zum Römerbrief 12, 17-21

Wochenspruch:

Einer trage des anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

Gal 6,2

Liebe Gemeinde!

Der Wochenspruch zeigt uns schon das Thema dieser Woche an. Wie gehen wir als Christen miteinander und mit unserem Nächsten um? Wenn dich einer auf die rechte Backe schlägt, so halte ihm auch die andere hin… so heißt es im Evangelium. Auch schon der Apostel Paulus hat sich mit dieser Frage auseinandergesetzt. Er schreibt in seinem Brief an die Gemeinde in Rom:

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17 Vergeltet niemandem Böses mit Bösem. Seid auf Gutes bedacht gegenüber jedermann.

18 Ist’s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden.

19 Rächt euch nicht selbst, meine Lieben, sondern gebt Raum dem Zorn Gottes; denn es steht geschrieben (5.Mose 32,35): »Die Rache ist mein; ich will vergelten, spricht der Herr.«

20 Vielmehr, »wenn deinen Feind hungert, so gib ihm zu essen; dürstet ihn, so gib ihm zu trinken. Wenn du das tust, so wirst du feurige Kohlen auf sein Haupt sammeln« (Sprüche 25,21-22).

21 Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem.

Für eine Buchveröffentlichung „Wer ist Jesus von Nazaret für mich? 100 zeitgenössische Zeugnisse“ wurden zahlreiche Interviews geführt. Es ging nicht um irgendwelche theologischen Erkenntnisse und Spitzfindigkeiten, sondern um persönliche Überzeugungen. Die Antwort des Berliner Theologieprofessors Helmut Gollwitzer ist mir in lebendiger Erinnerung geblieben, vielleicht, weil er irgendwie ins Schwarze traf zu diesem Thema, dem christlichen Miteinander. Helmut Gollwitzer beantwortete die Frage, was ihm Jesus von Nazaret bedeutet, unter anderem etwa so: „Jesus macht mir meine Mitmenschen lieb.“ Und er führte es weiter aus. Die einen sind es ja sowieso, weil ich sie sympathisch finde, wir gleiche Interessen und Vorlieben haben. Wir freunden uns wie von selbst miteinander an. Wir verstehen uns auch ohne Worte ganz schnell. Ich fühle mich wohl in ihrer Gegenwart und kann entspannen und loslassen.

Aber da gibt es ja dann noch die anderen, die so ganz anders sind. Die sind einem dann unsympathisch. Die denken anders und leben anders als man selber. Außerdem gehen die einem gelegentlich oder immer auf die Nerven. Diese anderen machen einen sogar wütend und zornig, weil sie so engstirnig, verbohrt oder destruktiv sind. Mit denen will man eigentlich nichts zu tun haben. Doch was ist mit diesen Zeitgenossen? Und Helmut Gollwitzer sagt dazu: Gerade die bringt mir Jesus nahe. Wie schafft Jesus das? Er schafft das vor allem, indem er ihnen selbst nahe ist. Jesus hat sich in seinem Leben allen Menschen zugewandt und ist an die Ränder der Gesellschaft gegangen: Sünder, Ehebrecher, Zöllner, Prostituierte, Aussätzige, Behinderte. Aber er hatte auch die Hochmütigen und die nervigen Kinder im Blick. Jesus musste sich oft rechtfertigen für seine Menschenfreundlichkeit. Es gab niemanden, dem er sich nicht zugewandt hätte, den er nicht angenommen hätte, so wie er ist. Und er hat ihm auch die Chance gegeben sich zu verändern. Niemand muss so bleiben, wie er ist. Keinen Menschen hat Jesus aufgegeben, denn für ihn gab es keine hoffnungslosen Fälle. Und dies hat Helmut Gollwitzer fasziniert. „Ein jeder und jede, die mir in meinem Leben begegnet, ist ein von Jesus geliebter Mensch.“ Sein Gegenüber so wahrzunehmen, hilft, in ihm den Nächsten zu erkennen und anzunehmen. Dann kann Böses überwunden werden und ein neues und gutes Miteinander entstehen. Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch EG 428 Komm in unsre stolze Welt

1 Komm in unsre stolze Welt, Herr, mit deiner Liebe Werben. Überwinde Macht und Geld, lass die Völker nicht verderben. Wende Hass und Feindessinn auf den Weg des Friedens hin.
2 Komm in unser reiches Land, der du Arme liebst und Schwache, dass von Geiz und Unverstand unser Menschenherz erwache. Schaff aus unserm Überfluss Rettung dem, der hungern muss.
3 Komm in unsre laute Stadt, Herr, mit deines Schweigens Mitte, dass, wer keinen Mut mehr hat, sich von dir die Kraft erbitte für den Weg durch Lärm und Streit hin zu deiner Ewigkeit.
4 Komm in unser festes Haus, der du nackt und ungeborgen. Mach ein leichtes Zelt daraus, das uns deckt kaum bis zum Morgen; denn wer sicher wohnt, vergisst, dass er auf dem Weg noch ist.
5 Komm in unser dunkles Herz, Herr, mit deines Lichtes Fülle; dass nicht Neid, Angst, Not und Schmerz deine Wahrheit uns verhülle, die auch noch in tiefer Nacht Menschenleben herrlich macht.

Fürbittengebet:

Du Gott des Lebens, wir bitten dich für unsere Konfirmanden und Konfirmandinnen. Stärke und ermutige sie auf ihrem Lebensweg, lass sie fröhliche Glieder unserer Gemeinde sein und bleiben.

Du Gott des Lebens, wir bitten dich für die Kranken und Schwachen, für die Menschen, die Existenzängste haben und durch die Corona-Krise in Not geraten sind. Lindere du Schmerzen und Leid auf dieser Welt. Du Gott der Liebe, behüte und beschütze uns und sei uns nah, heute und alle Tage. Amen.

Vaterunser

Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott,
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann

Am Sonntag, den 5. Juli finden wieder zwei Konfirmationsgottesdienste statt. Wir planen, mit den geladenen Gästen im Kirchgarten der St. Jakobskirche zu feiern. In St. Ulrich, Pfuhl, wird kein Gottesdienst sein. Bitte schließen Sie unsere Konfirmanden in Ihr Gebet ein und feiern Sie an diesem Sonntag den Fernsehgottesdienst mit oder nehmen ein online-Angebot wahr. Vielen Dank!