Predigtgedanken zur Apostelgeschichte 4,32-37

Wochenspruch:

Christus spricht:
Wer euch hört, der hört mich;
und wer euch verachtet, der verachtet mich.

Lukas 10,16a
Dreieinigkeit in der christlichen Kunst

Liebe Gemeinde!

kehren wir an den Anfang zurück. Wer schon einmal die Geburt eines Kindes erlebt hat, kennt den besonderen Zauber der ersten Zeit. Da tritt alles andere in den Hintergrund. Wichtig ist nur dieses Kind, dass es da ist und lebt, dass man es berühren und streicheln kann. Oder Sie erinnern sich zurück an die Zeit, als Sie Ihren Lebenspartner oder die Lebenspartnerin kennenlernten. Inzwischen ist vielleicht Alltag eingekehrt oder es haben sich auch viele Gewohnheiten, gute wie schlechte, eingeschlichen. Doch am Anfang war alles aufregend. Man war bereit, sich auf Neues einzulassen, war bereit, sich und sein Leben grundlegend verändern zu lassen.

Seit dem Pfingstfest sind nun zwei Wochen vergangen. Wir feierten miteinander und erinnerten uns an die Ausgießung des Geistes. Mit diesem Ereignis in Jerusalem wurde die christliche Gemeinde gegründet und begeisterte sich für die Sache Jesu. Auch diesem Anfang wohnte ein ganz besonderer Zauber inne. Die Jünger hatten es ja noch selber miterlebt, die Kreuzigung und dann das leere Grab. Der auferstandene Christus hat sich ihnen gezeigt und hat sich dann verabschiedet zu seinem Vater. Der Heilige Geist kam auf sie herab und veränderte alles. Er machte aus ihnen eine Gemeinde Christi. Wie sieht der Anfang der christlichen Gemeinde aus? Kehren wir dahin zurück mit dem Predigttext des heutigen Sonntages aus der Apostelgeschichte:

32 Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele; auch nicht einer sagte von seinen Gütern, dass sie sein wären, sondern es war ihnen alles gemeinsam. 33 Und mit großer Kraft bezeugten die Apostel die Auferstehung des Herrn Jesus, und große Gnade war bei ihnen allen. 34 Es war auch keiner unter ihnen, der Mangel hatte; denn wer von ihnen Land oder Häuser hatte, verkaufte sie und brachte das Geld für das Verkaufte 35 und legte es den Aposteln zu Füßen; und man gab einem jeden, was er nötig hatte. 36 Josef aber, der von den Aposteln Barnabas genannt wurde – das heißt übersetzt: Sohn des Trostes –, ein Levit, aus Zypern gebürtig, 37 der hatte einen Acker und verkaufte ihn und brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Es ist ein geflügeltes Wort geworden. Sie waren „ein Herz und eine Seele“. So spricht man über das frischverliebte Paar. Solche Worte hört man bei Hochzeitsfeiern. Mag sein, dass der Evangelist Lukas die Anfänge der christlichen Gemeinde in seiner Beschreibung in der Apostelgeschichte etwas idealisierte. Doch wir können die Begeisterung erahnen, die sich in der jungen Gemeinde ausbreitete. Ähnliches beschreiben Missionare, wenn eine neue Gemeinde gegründet wurde. Wenn sich Menschen in der 1. Generation in die Nachfolge Christi stellen, so brennt das Feuer der Begeisterung noch lichterloh. Die Gemeinde ist wie eine große Familie, so innig und herzlich ist die Verbundenheit. Und die Folgen in der urchristlichen Gemeinde waren enorm: Es gab keine persönlichen Güter mehr, sondern „es war ihnen alles gemeinsam“. In der urchristlichen Gemeinde herrschte also eine freiwillige Gütergemeinschaft. Niemand häufte persönliche Reichtümer an, sondern brachte seinen Wohlstand in die Gemeinde ein.

Diese Lebensform hat es in den Jahrhunderten bzw. Jahrtausenden danach immer wieder gegeben. Im Judentum sind die Kibbuze dafür bekannt. Im Christentum gab und gibt es Mönchsorden, die ein solchen Gemeinschaftsleben realisieren. In der zunehmend säkularisierten Welt haben sich Wohltätigkeits­aktivitäten ausgebreitet. Wie könnten diese Ideale aus der urchristlichen Gemeinde in der modernen Wohlstandsgesellschaft ihre Erfüllung finden?

Die Corona-Krise hat viele Systeme kollabieren lassen und uns in eine Art Anfangszustand katapultiert. Wirtschaftswissenschaftler und Soziologen sprechen von einer „Stunde Null“, die es sonst eigentlich nur nach Kriegen gegeben hat. Vieles muss sich jetzt neu erfinden und neu aufstellen. Die Frage ist, nutzen wir die Chance, die in einem Neuanfang liegt oder machen wir da weiter, wo wir aufgehört haben, soweit dies überhaupt möglich ist? Nach Schätzungen wird der Flugverkehr für Geschäftsreisen um 30% zurückgehen. Auch der private Flugverkehr durch Urlaubsreisen braucht nicht mehr die Ausmaße anzunehmen wie vor der Krise. Eine Gesellschaft, die den Klimaschutz ernst nimmt und auf Nachhaltigkeit setzt, wird weniger Arbeitsplätze in der Reisebranche brauchen, aber dafür mehr Pflegerinnen und Pfleger und auch mehr pädagogisches Personal für die Kinderbetreuung. Auch die Produktion wichtiger Güter und Schutzkleidung kann dann nicht mehr im fernen Asien zu Billigstpreisen erfolgen, sondern muss in einem verantwortlichen Wirtschaftssystem regional geschehen und wird uns natürlich mehr kosten. Auch ist jetzt die Chance eine nachhaltige Landwirtschaft zu stärken, die gute und wertvolle Lebensmittel vor Ort produziert und vermarktet und die industrielle Lebensmittelproduktion zurückzudrängt. Statt wieder in einen Konsumrausch zu verfallen, Hektik und Burnout zu riskieren, haben wir jetzt die Chance zu erkennen, was wirklich wichtig ist und was zählt im Leben und wie wir unsere Reichtümer miteinander teilen können zum Wohle aller. Das ist der Zauber eines Neuanfangs. Von Bonhoeffer ist der Gedanke überliefert, der auch jetzt wieder so aktuell geworden ist: „Ich glaube, dass Gott aus allem, auch aus dem Bösesten, Gutes entstehen lassen kann und will.“ Sogar aus einer Pandemie könnte Gutes entstehen! Und Bonhoeffer fährt fort:  „Dazu braucht er Menschen, die sich alle Dinge zum Besten dienen lassen.“ Lasst uns zu solchen Menschen werden. Amen.

Amen.

Lied: Evang. Gesangbuch EG 420,1-5 Brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied, /teil mit den Einsamen dein Haus.

Fürbittgebet
Du Gott der Gerechtigkeit, höre! Höre und steh an der Seite der Bedrängten. Höre und heile die Wunden der Geschlagenen. Du Gott der Gerechtigkeit, erbarme dich.

Du Gott des Lebens, atme in uns! Du hauchst deiner Schöpfung Leben ein. Atme in den Schwachen und schütze ihr Leben. Atme mit den Hoffenden und lehre sie. Du Gott des Lebens, erbarme dich. Du Gott der Liebe, erhebe dich! In aller Welt warten die, die dir vertrauen. Erhebe dich und verwandele mit uns und durch uns diese Welt. Du Gott der Liebe, du Gott des Lebens, du Gott der Gerechtigkeit. Höre uns und atme in uns durch Jesus Christus, unseren Bruder und Herrn. Amen.

Der Segen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes komme über euch und bleibe bei euch jetzt und alle Tage eures Lebens!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann