Geistliches Wort

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Schaut er nicht zum Erbarmen aus – der Harlekin im bunten Faschingskostüm? Carl Spitzweg hat ihn humorvoll in eine Mönchszelle gesetzt. Mit einem Krug Wasser beginnt er dort die Fastenzeit. Aschermittwoch – so der Titel des Ölgemäldes, das in der Stuttgarter Staatsgalerie im Original zu sehen ist. Wenig von den Chancen und dem Sinn der Fastenzeit hat verstanden, wer am Aschermittwoch nur in sich hinein schmollt nach dem Motto: „Schluss mit lustig.“ Die große Mystikerin Theresia von Avila ist dem tiefen Sinn eher auf der Spur, wenn sie sagt: „Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn; wenn Fasten, dann Fasten.“ Denn sie verstand das Gepräge der Zeiten von ihrem Zielpunkt her richtig. Der Aschenmittwoch macht durch einen scharfen Schnitt auf zwei aufeinander folgende Zeiten im Kirchenjahr aufmerksam. Er setzt einen klaren Kontrast zur bisherigen nachweihnachtlichen Freudenzeit im Jahreskreis, die mit Fasching zu Ende geht – und eröffnet die vierzigtägige österliche Bußzeit: Zeit der Umkehr. Sie soll uns auf die Passion Christi vorbereiten und dann schließlich auch auf das größte Fest des Jahreskreises: Ostern.

Wissen wir überhaupt noch, was Fasten bedeutet? Darf man da wirklich nicht mehr genießen, was Spaß macht und schmeckt? Ist das die Zeit ohne Vergnügen, die lustlose, traurige Zeit? Mancher kommt da auf die Idee, nach dem Motto zu leben: Öffentlich Wasser, heimlich Wein! – Eine heuchlerische Devise. Fasten heißt: eine Vorschrift aufrechterhalten. Fasten heißt konkret: sich der Speise enthalten. Diese Anweisung wurde erteilt, um in der Zeit vor Ostern das Leiden Christi bewusster zu begreifen und zu würdigen. Jahrhundertelang galten bestimmte Verordnungen und Vorschriften für den Christen. Sein Leben sollte durch Askese, durch Verzicht wachgehalten werden, ganz nach dem Erfahrungswert: Ein voller Bauch studiert nicht gern. Fasten heißt also abstinent leben, sich zurückhalten von festlich gedeckten Tischen. Haben wir dafür Verständnis? Es geht uns doch gut. Und wir haben unsere Ess- und Trinkgewohnheiten. Wer will schon darauf verzichten – und sei es sogar für ein paar Wochen? Obwohl es manchem Bauch guttäte, sich ein bisschen zurück zu halten. Jesus ist kein Gesundheitsapostel. Er verordnet weder Schonkost, noch wirbt er für ein Diätgeschäft. Aber er ist auch nicht gegen das Fasten.

Denn Zurückhaltung und Mäßigung schaden nie. Sie haben für den Christen sogar ein Motiv. Zum Beispiel dies: die Leiden Christi zu bedenken. Weil dieses Leiden noch heute weitergeht in aller Welt. Eine gesegnete Fasten- und Passionszeit, offene Augen für die Leiden der Menschen neben uns, und dann ein – umso intensiver erlebtes – frohes Osterfest wünscht Ihnen

Ihr Pfarrer Robert Pitschak